Date: 25. Juli 2018

Die türkische Lira hat mit einem Kurssturz auf die zinspolitische Entscheidung der türkischen Notenbank reagiert. Die Währungshüter hatten den Leitzins überraschend unverändert bei 17,75 Prozent belassen, während Volkswirte eine Zinserhöhung um 1 bis 1,25 Prozent erwartet hatten.

 

Zum US-Dollar kollabierte die türkische Lira auf 4,9390 und damit auf den tiefsten Stand seit 12. Juli. Die nächsten Kursziele auf der Oberseite liegen jetzt bei 4,9721 und 5,0000.

 

Trotz der immer weiter in die Höhe schießenden Inflation hat die türkische Notenbank die Leitzinsen nicht angerührt. Jedoch schrieben die Währungshüter in der geldpolitischen Erklärung, dass sie eine straffere Geldpolitik über einen längeren Zeitraum für angemessen halten.

 

Den Ausverkauf der türkischen Lira begünstigt hat indes die Furcht der Anleger vor einem aktiven Eingreifen von Präsident Erdogan in die Geldpolitik der türkischen Zentralbank. Erdogan gilt als Fan von niedrigen Zinsen. Er will damit Firmen und Verbrauchern den Zugang zu billigem Geld ermöglichen.

 

Angesichts der hohen Inflation müssen aber sowohl Unternehmen als auch Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Sollte die Zentralbank die Zinsen nicht weiter erhöhen, droht der Türkei die Schuldenfalle.

 

Die zinspolitische Entscheidung der türkischen Zentralbank hat die bereits angeschlagene Stimmung rund um die türkisch Lira weiter verschlechtert. Sowohl die täglichen als auch die wöchentlichen Indikatoren sind nach wie vor bullisch zu interpretieren, so dass ein Sprung auf 4,9736 und dann 5,0000 wohl nur noch eine Frage der Zeit ist.

 

Von einer tiefgreifenden Korrektur ist erst auszugehen, wenn der USD/TRY die Unterstützung aus der 38-Tage-Linie und einem mittelfristigen Aufwärtstrend zwischen 4,69 bis 4,61 auf Schlusskursbasis unterschreitet.

 

Malte Kaub