Date: 20. Juli 2017

 

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheidet heute über die Geldpolitik in der Eurozone. Investoren rund um den Globus blicken deshalb gespannt nach Frankfurt. Anpassungen bei den Leitzinsen werden nicht erwartet. Spannender ist aber eine andere Frage. Wann kommt es zur Normalisierung der europäischen Geldpolitik?

 

Angesichts der guten konjunkturellen Lage sowie der nachlassenden politischen Risiken wurden bereits im Juni weitere Zinssenkungen ausgeschlossen. Zudem wurden die Wachstumsprognosen nach oben gesetzt. Mario Draghi betonte jedoch auf der Pressekonferenz, dass die Geldpolitik locker bleiben wird.

 

Ende Juni trat der oberste europäische Währungshüter erneut vor die Kameras. Diesmal auf der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra. Dort ließ sich zwischen den Zeilen erkennen, dass Draghi einem Ausstieg aus der ultralaxen Geldpolitik nicht entgegensteht.

 

Allerdings ist der Euro mittlerweile auf den höchsten Stand seit Mai 2016 gestiegen, was die Inflation mittelfristig erneut bremsen dürfte, so dass die Zeichen der Zeit auf einen allmählichen, aber sehr langsamen Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik stehen. Deshalb dürfte die Europäische Zentralbank morgen keine weiteren Anpassungen bei der Forward Guidance vornehmen. Wir erwarten eher die Ankündigung zur weiteren Vorgehensweise bei den Anleihekäufen auf der Sitzung am 7. September.

 

Denkbar sind leichte Kursabschläge auf die Gemeinschaftswährung. Es scheint, dass die technischen Indikatoren sowohl auf Tages- wie auf Wochenbasis extrem überhitzt sind. Zudem erscheinen bereits viele gute Nachrichten in den Kursen vorweggenommen zu sein, so dass es zu der klassischen Börsenweisheit “Buy the rumor, sell the fact” kommen könnte. Auf der Unterseite liegt das nächste Kursziel bei 1,1470/90. Es bleibt nun abzuwarten ob ein Bruch darunter neues Abwärtspotenzial in Richtung 1,1435 freisetzen kann. Charttechnische Widerstandsniveaus ließen sich hingegen bei 1,1615 und 1,1714 ansiedeln.

 

Malte Kaub