Date: 08. September 2017

Mario Draghi hat erneut die Chance verpasst, den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik zu kommunizieren. Der Euro wertete trotzdem auf. Im Vergleich zum Greenback stieg die Gemeinschaftswährung zeitweise um mehr als 1 Prozent auf 1,2059. Danach gab das Paar aber einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

 

Zunächst einmal die harten Fakten: Die Europäische Zentralbank hat ihre Prognosen zum Wachstum im Euroraum in diesem Jahr spürbar erhöht. Für 2017 wurde die Prognose um 0,3 Prozentpunkte auf 2,2 nach oben gesetzt. Die Inflationserwartung wurde seitens der EZB für 2018 auf 1,2 Prozent gesenkt, da der starke Euro das Preisniveau belastet. Im Juni lautete ihre Wechselkursprognose für den Jahresdurchschnitt 2017 1,08 Dollar – für die neuen Projektionen wurde ein Wechselkurs von 1,18 Dollar zugrunde gelegt.

 

Draghi fokussierte sich während der gesamten Pressekonferenz überwiegend auf die solide Erholung im Europäischen Wirtschaftsraum. So verstärke sich die wirtschaftliche Erholung und sie sei breiter und robuster als zuvor, betonte er. Debatten um ein Überschießen des Wechselkurses erstickte er damit im Keim.

 

Unterstützung erhielt der Euro außerdem durch die Tatsache, dass Draghi sagte, dass man eine Diskussion über eine Rückführung des Anleihekaufprogramms geführt habe. Jedoch handle es sich hierbei nur um sehr, sehr vorläufige Diskussionen. Marktteilnehmer begrüßten die Botschaft jedoch und die Gemeinschaftswährung wertete spürbar auf.

 

Im Oktober werde man wahrscheinlich die Diskussion um ein Tapering beginnen, sagte Draghi. Er wolle sich aber nicht auf diesen Termin festlegen, betonte er. Sinn würde es dennoch ergeben. Denn bis dahin sind die Bundestagswahlen gelaufen und die amerikanische Notenbank dürfte ihre Bilanzreduktion kommuniziert haben. Zudem stehen der EZB dann weitere Konjunkturdaten zur Verfügung.

 

Insgesamt lässt sich sagen, dass Investoren froh darüber waren, dass Draghi eine Tapering-Diskussion im Oktober in Aussicht gestellt hat und dass er erneut keine Sorgen über die Eurostärke äußerte. Dennoch betonte er, dass ein sehr hoher Grad an geldpolitischer Unterstützung weiterhin nötig sei. Entsprechend wird sich der Exit aus der expansiven Geldpolitik nur sehr langsam vollziehen.

 

Malte Kaub