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WTI – der weltweit wichtigste Rohöl-Kontrakt wirkt stabilisiert – Gefahr eines Preisverfalls droht im Falle einer Uneinigkeit der OPEC+ – IEA, OPEC und EIA heben Nachfrageprognose an

 

Im Vergleich zu einer Reihe von Rohstoffmärkten befindet sich der Rohölmarkt definitiv nicht in der Marktkonstellation eines Defizits, denn noch immer gibt es Rohöl in einem immensen Ausmaß. Man könnte nun denken, die Preise für Rohöl könnten in den kommen Monaten wieder signifikant fallen, doch aufgrund des im Rahmen der Corona-Pandemie extrem gefallenen Rohölpreises reduzierten viele Ölkonzerne unter anderem ihre Investitionen in Bezug auf Research, Bohrungen und neuer Projektierung.

Am 20. April 2020 schloss der WTI-Mai-Kontrakt an der Terminbörse NYMEX mit einem Kurs von -37,63 US-Dollar je Fass. Intraday notierte der Mai-WTI-Kontrakt 2020 sogar bei einem Minus von 40,32 US-Dollar je Fass. Insgesamt fiel der WTI-Rohölpreis im Mai-Kontrakt 2020 an diesem Tag um über 300 Prozent in die Tiefe. Niemals zuvor in der Geschichte des Handels mit Rohölkontrakten gab es überhaupt eine Preisfeststellung im negativen Preisbereich. Das konnte man sich zuvor auch handelsbedingt gar nicht vorstellen. Außerdem stand der Preisrutsch für den höchsten Preisverfall innerhalb eines Tages seit dem Jahr 1983, wie man einem Marktbericht von „MarketWatch“ entnehmen konnte. Aufgrund des durch die Corona-Pandemie verursachten Nachfrageschocks war man folglich am Markt sogar bereit dafür zu zahlen, damit man erstens aus dem Termingeschäft wieder aussteigen konnte und zweitens auch dafür bereit zu zahlen, dass Abnehmer das Rohöl in irgendeiner Form lagerten. Die Lager waren in den weltweit wichtigsten Märkten prall gefüllt und man wich massiv auf Tanker in der Funktion schwimmender Lager aus. Diese Rohölschwemme galt es zunächst über Monate abzubauen und dies ist ja offenbar auch sehr gut gelungen. Nur durch konzertierte Aktionen der Förderländer konnte der extreme Rohölüberschuss am Markt sukzessive abgebaut werden. Die OPEC+-Länder mussten diese Lektion aber erst schmerzhaft lernen. Denn die negativen Rohölpreise waren die Folge ihrer zu zögerlichen Politik und dem zunächst fehlenden Verhandlungswillen. Das Kind musste erst in den Brunnen fallen, um doch noch gerettet zu werden. Mehr als ein Jahr nach diesem historischen Preisschock wirkt heute der WTI-Terminkontrakt Juni2021 in den letzten Wochen recht stabil und notierte am Montag, den 10. Mai 2021 mit einem Kurs von rund 65 US-Dollar je Fass. Dennoch hängt die weitere Preisentwicklung von den kommenden OPEC+-Arrangements ab. Sollten sich die Rohölförderländer einmal in den nächsten Monaten im Rahmen ihrer Treffen nicht einigen können, so „schmiert“ der Rohölpreis aller Voraussicht erst einmal ab. Neben der OPEC selbst dürften auf absehbare Zeit die wichtigsten Förderländer Russland, Saudi-Arabien und auch die USA den Ton unverändert angeben. Sollten sich Russland und Saudi-Arabien nochmals einen Preiskrieg leisten, so könnte dies den Rohölpreis ebenso gefährden.

Steigende Nachfrage nach Rohöl stützt – IEA und OPEC heben Nachfrageprognose an
Angaben der „IEA“ (International Energy Agency) zufolge könnte die Nachfrage nach Rohöl in den nächsten Jahren 2021 bis 2026 sukzessive ansteigen. Denkbar wäre in 2021 demnach eine Nachfrage in Höhe von 96,7 Millionen Fass täglich (IEA-Report April 2021), in 2022 könnten es bereits 99,4 Millionen Fass sein und 2026 gar schon 104,1 Millionen Fass täglich. Diesen Prognosen zufolge läge die Nachfrage am Rohölmarkt gegen Ende des Jahres 2022 und Anfang des Jahres 2023 sogar oberhalb des Vorkrisenjahres 2019. Die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) revidierte im April ebenso ihre Nachfrageprognose nach oben. In 2021 könnte die tägliche Nachfrage um 5,95 Millionen Fass täglich auf nunmehr 96,46 Millionen Fass täglich anziehen. Die „EIA“ (U.S. Energy Information Administration) geht ihrem Bericht (Short-Term Enrgy Outlook April 2021) zufolge gar von einer globalen Nachfrage in 2021 in Höhe von 97,7 Millionen Fass pro Tag. Für 2022 könnte die Nachfrage auf 101,3 Millionen Fass täglich anziehen. Führende Investmentbanken sehen den Rohölmarkt sogar mehr als nur gestützt und stabilisiert. Goldman Sachs hob Ende April 2021 die Prognosen neben Brent auch für WTI an. Auf Sicht der nächsten sechs Monate sieht man Brent-Kurse von 80 US-Dollar je Fass und WTI-Kurse von 77 US-Dollar je Fass.

 

WTI – der US-Rohölleitkontrakt
Der Rohölkontrakt WTI (West Texas Intermediate) wird an der US-Terminbörse „NYMEX“ (New York Mercantile Exchange) mit dem Symbol „CL“ für „Crude Light“ gehandelt. Die NYMEX ist bereits seit vielen Jahren der „CME Group“ (zur CME gehören unter anderem auch die CME/Chicago Mercantile Exchange und CBOT/Chicago Board of Trade) zuzuordnen. Ein WTI-Kontrakt besteht aus 1.000 Fass (Barrel) Rohöl der Sorte WTI. Wie die meisten Rohstoffe, so wird auch WTI in US-Dollar gehandelt. Die Quotierung lautet demnach auf US-Dollar und US-Cents. Die Qualität und die Beschaffenheit des Rohöls ist im NYMEX-Regelheft im Kapitel 200 geregelt. Die WTI-Kontrakte sind bis zum Februar 2032 fortlaufend gelistet und damit handelbar. Drei Geschäftstage vor dem 25. eines jeden Monats verfällt der Kontrakt. Trader rollen demnach die Kontrakte vor dem Verfall in die jeweils nachfolgenden Kontraktmonate, damit es nicht zu einer Lieferung kommt. Folglich handelt man keine Rohstoffe direkt, sondern Anrechte zum Bezug oder Verkauf des jeweiligen Basiswerts – in diesem Fall eben auf Rohöl der Sorte WTI.

Rollover – den Übergang von Kontraktmonat zu Kontraktmonat verstehen
Als Rollvorgang oder eben „Rollover“ wird der Übertrag oder Übergang von einem Kontraktmonat zum Beispiel in den direkt nachfolgenden Kontraktmonat beschrieben. In Bezug auf WTI wäre dann ein Rollvorgang vom derzeitigen Juni-Kontrakt in den nachfolgenden Juli-Kontrakt zu beschreiben. Der Trader will ja schließlich die Lieferung vermeiden – sein Interesse begrenzt sich auf das Profitieren von Preisbewegungen. Wer sehr kurzfristig handelt (intraday) oder sich aufgrund eines Swing-Trading-Ansatzes für mehrere Tage oder ein paar Wochen im WTI-Rohölkontrakt engagiert, der muss sich nicht zwingend mit einem Rollvorgang auseinandersetzen. Positionstrader oder langfristig orientierte Spekulanten müssen aber vor dem Verfall eines jeden Monatskontrakts an das zeitige „Rollen“ in den nachfolgenden Kontrakt denken. Durch den Verkauf des kurz vor dem Verfall stehenden Kontrakts entsteht ein Erlös, den es nun wieder in den nachfolgenden Kontrakt zu investieren gilt. Je nach Quotierung des nachfolgenden Kontrakts und dem Verlauf der Terminmarktkurve kann es zu Rollgewinnen oder eben auch Rollverluste kommen.

Die Terminmarktkurve machts – die Preiskonstellationen Backwardation und Contango
„Backwardation“ und „Contango“ beschreiben die Struktur der Forwardkurve. Ein Terminmarkt befindet sich in „Contango“, wenn sich der Kurs des Termin-Kontrakts oberhalb des Kassa-Preises (Spot) befindet. Liegt aber der Kurs des Termin-Kontrakts unterhalb des Kassa-Preises, so liegt die Preiskonstellation in „Backardation“ vor. Bildlich gesprochen verdeutlicht eine fallende Forward-Kurve „Backwardation“ und eine steigende Forward-Kurve „Contango“. Das Event eines Rollverlustes tritt naturgemäß bei einer in „Contango“ laufenden Terminmarktkurve ein, während Rollgewinne im Falle einer in „Backwardation“ verlaufenden Terminmarktkurve vereinnahmt werden können.

WTI-Juni2021 – kann das März-Hoch geknackt werden?
Der Blick richtet sich auf den Tageschart. Ausgehend vom Hoch des 08. März 2021 bei 67,29 US-Dollar bis zum Zwischentief des 22. März 2021 bei 57,29 US-Dollar, wären mittels einer Fibonacci-Analyse aufgrund der Fibonacci-Retracements und Fibonacci-Projektionsstufen die nächsten Ziele für die Bullen und Bären ableitbar. Die Widerstände lägen bei 67,29 US-Dollar (100.00%), 69,64 US-Dollar (123.6%) und 71,12 US-Dollar (138.2%). Die Unterstützungen kämen bei 63,47 US-Dollar (61.8%), 60,28 (50.0%) und 61,12 US-Dollar (38.2%) in Frage. Die im Chart eingezeichneten Trading-Boxen in grüner und roter Unterlegung könnten die jeweiligen Zielbereiche einer Auf- und Abwärtsbewegung visualisieren helfen.

 

Quelle: ActivTrader

 

 

 

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