Experten Analysen

Inflation – Segen oder Fluch?

Wie bei fast allen Dingen im Leben gibt es immer zwei Blickwinkel und dies trifft auch auf das Thema Inflation zu.
Die negativsten Zeichen einer ansteigenden Inflation sehen wir derzeit in den US Dollar Märkten. Wir sehen dazu meist eine Abflachung der Zinskurve für Staatsanleihen.
Im Kontrast dazu ist die Stimmung in Europa deutlich besser. Nichts desto trotz schlagen sich die leicht ansteigenden langfristigen Zinsen in einer Ausweitung des Spreads, also der Unterschied zwischen Ankauf- und Verkaufspreis, von Staatsanleihen nieder. Das alles hat die Märkte noch nicht aus der Bahn geworfen, aber es gilt die Situation weiter genau im Auge zu behalten.
Die zentrale Frage derzeit ist, ob es sich beim Preisanstieg um ein nur vorübergehendes Phänomen handelt oder ob sich die Situation grundlegend verändert und damit auch die Finanzmärkte nachhaltig beeinflussen wird und im schlimmsten Fall ein derzeitiges Ende der Markterholung signalisiert.
Derzeit sind die institutionellen Marktteilnehmer noch grundsätzlich entspannt aber sie schenken dem negativen Szenario mehr Glaubwürdigkeit als zuvor. Dies ist vor dem Hintergrund der Datenlage der letzten Wochen und Monate vollkommen nachvollziehbar.
Die USD-Kurse signalisieren eindeutig, dass dem Abwärtsszenario eine gewisse Glaubwürdigkeit eingeräumt wird
Genau in einer solcher Situation schauen wir ganz genau auf die aktuellen Umfragen um besser zu verstehen was genau zu einer Verbessr und oder Verschlechterung der Wirtschaftsaktivität beiträgt, wie zum Beispiel die aktuellen Zahlen von den Einkaufsmanagern (PMI Umfrage) die für Deutschland mit 62 weit über dem wichtigen Schwellenwert von 50 liegen und sich nahe bei dem hohen Niveau des Vormonats von 66.2 halten konnte. Dies hat sich direkt positiv auf die Wirtschaftlichen Aussichten ausgewirkt und den Dax erneut in die Nähe des Allzeithochs bei 15.500 gebracht.
Bisher hat sich dies weniger auf die Zinsentwicklung in den USA ausgewirkt. Oft gehen negative wirtschaftliche Konjunkturaussichten mit einer abflachenden Kurve für die 5 jährigen und 30 jährigen Zinskurven einher. Interessanterweise trifft derzeit genau das Gegenteil zu.
Aber selbst wenn der Anstieg der Inflation nur ein Nebenprodukt einer anhaltend starken Wirtschaft ist, könnten wir noch mehr Zinskurven sehen die weiter abflachen. In diesem Szenario würde die Amerikanische Zentralbank (FED) früher als erwartet einen Zyklus erzwingen, der die Zinssätze bei kurzfristigen Anleihen anhebt und bei langfristigen Anleihen drückt um Inflationserwartungen gegenzuwirken.
Für ansteigende Zinsen in Europa ist es noch ein langer Weg
Es gibt derzeit wenig Gründe warum die Zinsen in der Euro Zone und insbesondere die deutschen Bundesanleihen immun gegen die Effekte sein sollten,welche die US Zinsen erfasst hat. Erstaunlicherweise ist genau das eingetroffen.
Staatsanleihen in der EU werden derzeit als genauso sicher eingestuft wie in den USA. Der Unterschied ist, dass die Renditen in der EU viel niedriger sind und noch Raum haben zu steigen. Zudem hat die Europäische Zentralbank (EZB) noch die Möglichkeit den Anstieg weiter zu verlangsamen, wie sie es im März getan hat, mit dem Anstieg der Anläufe von Anleihen. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich im nächsten Monat entscheiden wird, aber es ist gut möglich dass die Auswirkungen auf die Zinsen nur vorübergehend sein werden und sich ein weiterer Anstieg abzeichnet.
Höhere Zinsen könnten in naher Zukunft zu einer Ausweitung der Spreads von Staatsanleihen führen
Mit Sorge beobachten wir wie sich die Spreads von Staatsanleihen bei steigenden Zinsen weiter ausweiten. Bislang war der Zusammenhang zwischen beiden fast mechanisch, was bedeutet, dass höhere Zinsen in nächster Zeit zu größeren Spreads von Staatsanleihen führen könnten. Dieser Korrelation ist jedoch nicht fixiert. Die bisherige Ausweitung des Spreads hat sich noch nicht auf Euro-Anleihen oder Kredite geführt.
Zur Erinnerung: Wie wir aus der Wirtschaftskrise in 2007 gelernt haben, erhöht sich der Spread für Staatsanleihen wenn sich das Risiko einem Land Geld zu leihen steigt und damit erhöhen sich die Kapitalkosten des jeweiligen Staates. Dies ist ein wirklich positives Zeichen dafür dass der Druck sich nicht direkt auf Märkte auswirkt, sondern vielmehr den Druck auf die EZB verringert sofort einzugreifen.
Die EZB deutet an, dass periphere Anleihen-Käufe erhöht werden könnten um den Rückgang der zentralen EZB-Käufe (PPEP) auszugleichen. Zudem zeigt die zunehmend ehrgeizige Fiskalpolitik, insbesondere Italiens, das mit einer geringeren wirtschaftlichen Divergenzen zwischen den Mitgliedsstaaten zu rechnen ist. Vermutlich wird Italien davon am meisten profitieren, da der 10-Jahres-Spread gegenüber Deutschland im Laufe des Jahres wieder auf 100 Basispunkte sinken könnte. Wir behalten die weitere Entwicklung genau im Auge, aber noch ist nicht mit einer dramatischen Umkehr am Markt zu rechnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: UsaTBJun21, Daily, Activtrader.