Experten Analysen

Edelmetalle – Gold und Silber hinken einer Reihe von Rohstoffen hinterher

 

Die Performance von Rohstoffpreisen wird auf längere Sicht nicht von der konjunkturellen Entwicklung der wichtigsten globalen Volkswirtschaften und Wirtschaftsräumen zu entkoppeln sein. Aus diesem Grund muss die künftige – mögliche – Performance von einzelnen Rohstoffen immer in Kombination mit Szenarien betrachtet werden. Dabei sind typischerweise immer drei Szenarien heranzuziehen, das Basisszenario, das Bullen-Szenario und das Bären-Szenario. An dieser Stelle soll das Basisszenario genauer hervorgehoben werden. Dieses Basisszenario setzt eine erfolgreiche Impfkampagne in den USA und weiten Teilen Europas voraus und geht neben Konjunkturprogrammen und geldpolitischen Stimuli auch von geringeren geopolitischen Unsicherheiten aus. Es soll demnach als recht optimistisches, aber auch größtenteils realistisches Szenario gelten. Im Rahmen der sich fortsetzenden konjunkturellen Erholung im Jahr 2021, könnten demnach eine Reihe von Rohstoffen einen Blick wert sein.

 

Rohstoffperformances

Es ist derzeit (mit dem Stand des 09. April 2021) nicht zu übersehen, dass zum Beispiel Gold im direkten Vergleich zum Endloskontrakt von US-Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate/WTI Crude Oil) oder Kupfer (Dr. Copper gilt zudem als zusätzlicher Konjunkturindikator) deutlich in Bezug auf die Performance hinterherhinkt. Hinterherhinken als Begriff wäre gerade diesbezüglich sogar die Untertreibung schlechthin, denn Gold liegt mit einem Minus von rund 8,3 Prozent seit dem Jahresanfang 2021 erheblich im Hintertreffen, während Kupfer im Vergleichszeitraum ein Plus von leicht über 15 Prozent aufweist und US-Rohöl der Sorte WTI mit rund 22,5 Prozent viele weitere Rohstoffe auf die Plätze verweist. Im Bereich der Agrarrohstoffe stach insbesondere seit dem Jahresanfang 2021 Mais und Sojabohnen mit einem Plus von 19,75 Prozent bzw. von 7,17 Prozent hervor. Auf 52-Wochensicht waren mit Mais und Sojabohnen immerhin 59,68 Prozent bzw. 58,29 Prozent zu holen. Mit Ausnahme von Kaffee liefen alle Agrarrohstoffe auf 52-Wochensicht ausgesprochen gut und verwiesen damit im direkten Vergleich Gold deutlich auf die Plätze.

Erstes Quartal 2021 abgeschlossen – Platin holt sich die Pole Position
Blickt man explizit auf den Edelmetallsektor, so trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen und spaltet den Edelmetallmarkt die Performance betreffend in zwei Lager, nämlich Gold und Silber ins Bärenlager und Palladium und Platin ins Bullenlager. Basierend auf den Schlusskursen vom März 2021, also dem Quartalsende des ersten Quartals 2021, wies Gold ein Minus von 8,16 Prozent auf, Silber fiel um 1,62 Prozent zurück, während Platin um 11,91 Prozent und Palladium um 11,56 Prozent anzog.

Palladium langfristig der Gewinner
Man muss jedoch auch fair sein und die Performances im Edelmetallsektor nicht nur durch die „kurzfristige“ Brille zu betrachten, sondern eben auch einmal auf die langjährige Entwicklung zu achten, denn dann kommt insbesondere Palladium auf Sicht von 10 Jahren mit einem Kursplus von rund 245 Prozent als Sieger gefolgt von Gold mit einem Plus von rund 20 Prozent bestens weg, während Platin um fast 33 Prozent und Silber um rund 37 Prozent zurückfiel. Auf Sicht von fünf Jahren konnte Silber allerdings um rund 56 Prozent zulegen. Es ist wie immer eine Frage des zeitlichen Anlage- bzw. Investitionshorizonts.

Wiedereröffnungsszenarien und Sektorenentwicklung beeinflussen die Performance
Mit einer erhöhten Impfstoffquote steigt auch das Potenzial früherer, breit angelegter Wiedereröffnungsszenarien der wichtigsten Volkswirtschaften. Hier wären an erster Stelle (in der westlichen Welt) aufgrund der recht fortgeschrittenen Impfkampagnen die USA und auch Großbritannien als größere Volkswirtschaften zu nennen. Mit schrittweise wieder zunehmendem Flug- und Reiseverkehr würde insbesondere der Antriebsstoff der Weltwirtschaft, nämlich Rohöl, profitieren können (dies sollte für US-Rohöl der Sorte WTI und auch für Rohöl der Nordseesorte Brent gleichermaßen gelten). Jedwede Energierohstoffe, wie Erdgas, Diesel, Benzin und mehr, könnten ebenso davon profitieren. Auf der anderen Seite könnte durch die Nachfrage aus der Automobilwirtschaft gerade Platin stärker in den Fokus an den Rohstoffmärkten geraten.

Platin könnte Palladium den Rang ablaufen
Zur Produktion von Katalysatoren wird in der Automobilwirtschaft vorzugsweise Palladium verwendet. Aufgrund des enormen Preisauftriebs bei Palladium in den letzten Monaten und auch Jahren ist man seit geraumer Zeit auch bemüht die Nutzung von Palladium mit der Verarbeitung von Platin in Katalysatoren zu ergänzen. Die Experten aus der Automobilwirtschaft und auch die Automobilproduzenten gingen noch Anfang des Jahres 2021 davon aus, dass die Nachfrage nach Platin im Jahr 2021 allein auf diese Weise um rund 150.000 Unzen ansteigen könne und bis zum Jahr 2025 gar auf bis zu 1,5 Millionen Unzen anziehen könnte. Dies würde Platin möglicherweise im Edelmetallsektor auf die Pole Position schieben. Die Experten des „World Platinum Investment Council“ indes gingen in einem vom März 2021 datierenden Bericht davon aus, dass allein in 2021 bereits eine erhöhte Nachfrage nach Platin entstehen könne, die sie allein für Europa und China auf 285.000 bis 428.000 Unzen prognostizierten. Würde man allein daraus einen Median errechnen, so läge dieser bei 356.500 Unzen. Ob man nun die im Vergleich eher konservativere Schätzung aus der Automobilwirtschaft mit 150.000 Unzen in 2021 oder den Medianwert von 356.500 Unzen des „World Platinum Investment Council“ heranzieht, so sollte doch immerhin eine höhere Nachfrage erkennbar werden, die die Preisbildung am Markt für Platin in den kommenden Monaten, aber auch in den kommenden Jahren ankurbeln dürfte.

Dirk Friczewsky – Finanzmarktexperte

 

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