Experten Analysen

Die Macht der Zentralbanken – nach der EZB-Sitzung steht nun der FOMC-Zinsentscheid an

 

Eine Reihe von Zentralbanken könnten mit ihren Anleiheankäufen bereits eine mehr als nur kritische Masse ihres jeweiligen Anleihemarktes erreicht haben. Die Leitzinsentscheidungen der letzten Wochen, zum Beispiel die der Bank of Canada, aber auch die der EZB zeigen ja die ausufernden Ankäufe der Notenbanken. Während man in Frankfurt bei der EZB, dem aktuellen, geldpolitischen Statements vom Donnerstag, den 22. April 2021 zufolge noch nicht an eine Verlangsamung der Anleiheankäufe denkt, ist man offenbar in Ottawa schon an einem Wendepunkt angekommen. Betrachtet man sich nämlich die jüngste Entscheidung bei der Bank of Canada, wird man nicht umhinkommen über den sehr hohen Anteil der Notenbank am kanadischen Anleihemarkt zu sprechen. Dient also das „Tapering“ (das schrittweise Zurückfahren der Anleiheankäufe) nur der Beruhigung des kanadischen Kapitalmarktes oder ist es dieses Mal ein Ausweis darüber, dass die kanadische Notenbank einen schon viel zu hohen Anteil des kanadischen Anleihemarktes in ihren Beständen hält?

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Eignet sich das Tapering der Bank of Canada als Blaupause für die EZB oder die Fed?

Auf ihrer jüngsten Sitzung vom 21. April 2021 veröffentlichte die Bank of Canada (BoC) einen unveränderten Leitzins von 0,25 Prozent (Policy Interest Rate), aber eben auch eine Reduzierung der Anleihekäufe um eine Milliarde kanadische Dollar (CAD) auf 3 Milliarden CAD pro Woche. Zuvor erwarb man Wertpapiere im Wert von 4 Milliarden CAD pro Woche. Das geldpolitische Statement der Bank of Canada gibt auch Auskunft über den aktuellen Stand in Sachen Anleihebestände. Die kanadische Notenbank hält Stand April 2021 rund 42 Prozent aller ausstehenden kanadischen Staatsanleihen (GoC-Bonds) – diese Anleihebestände machen über 70 Prozent der Bilanzsumme der kanadischen Notenbank aus. Wenn dies keine direkte Staatsfinanzierung ist, was denn dann? Die Bank of Canada hat seit März 2020 über 35 Prozent aller ausstehenden kanadischen Staatsanleihen absorbiert und auf ihre Bilanz geladen – das ist prozentual mehr als jede andere Zentralbank (wie zum Beispiel Fed oder auch EZB). Nun nimmt die Bank of Canada also den Fuß vom Gas und könnte damit auch als eine Art Blaupause für die restlichen Zentralbanken dienen.

Man muss allerding dazu auch sagen, dass ein Zurückfahren der Anleihekäufe bei der EZB oder der Fed nur sehr langsam funktionieren würde, ohne den Anleihemarkt in Schieflage zu bringen. Bis es dann zu ersten Zinserhöhungen der EZB oder der Fed kommen kann, wird wohl noch ein längerer Zeitraum vergehen. Die Fed könnte jedoch der EZB voranschreiten.

Wann könnte die Fed weniger expansiv agieren?

Die Federal Reserve publiziert am Mittwoch, den 28. April 2021 den FOMC-Zinsentscheid
(Federal Open Market Committee). Mit einer Zinsänderung ist vorerst nicht zu rechnen. Das Zinsband (Target Rate) wird aller Voraussicht bei 0,00 bis 0,25 Prozent verbleiben. Im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeiten, die der US-Terminmarkt ausweist, wäre bis zum Dezember 2021 eine unveränderte Zinslage zu konstatieren. Beim genauen Blick auf die Fed Fund Futures-Rates kann man mit dem Stand des 26. April 2021 eine 89,4prozentige Wahrscheinlichkeit eines unveränderten Zinsbands bis zum Jahresende ablesen. Aufgrund der Auswertung des letzten verfügbaren geldpolitischen Statements der Fed mit einem sogenannten „Dot-Plot“-Chartbild, ist nach derzeitigem Kenntnisstand ein mögliches Zinsband von 0,25 bis 0,75 Prozent im Jahr 2022 und ein Zinsband von 0,25 bis 1,5 Prozent für das Jahr 2023 abzulesen. Demnach könnte sich ein Zinserhöhungsprozess als sehr zäh entpuppen. Fraglich ist aber, ab wann die Fed ihren expansiven Kurs in Bezug auf die monatlichen Ankäufe reduziert und demnach ein „Tapering“ beginnt. Noch erwirbt die Fed mit einem monatlichen Volumen von 80 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen (U.S.-Treasuries) und mit einem monatlichen Volumen von 40 Milliarden US-Dollar hypothekenbesicherte Wertpapiere (wie zum Beispiel MBS – Mortgage Backed Securities). 120 Milliarden pro Monat ist gewaltig. Ein „Tapering“ könnte nach dem Modell der Fed des „FOMC Balance Sheet Normalization Program“ von September 2017 bis August 2019 ablaufen. Man würde in diesem Fall wohl die monatlichen Ankäufe wieder sukzessive reduzieren und auf „Null“ zurückfahren und bis zu diesem Zeitpunkt wohl auch nicht viel an der Zinsschraube drehen. Es ist anzunehmen, dass die Fed zeitlich vor der EZB damit startet. Sollte die Fed dies dann durchführen, so wäre die EZB höchstwahrscheinlich zeitlich versetzt dazu genötigt, dem Pfad der Fed zu folgen – auch wenn die EZB-Präsidentin Lagarde dies im Rahmen der Fragen bei der EZB-Pressekonferenz am 22. April 2021 noch verneinte.

 

Bei der EZB ist an „Tapering“ noch nicht zu denken
Die EZB kauft mit 20 Milliarden Euro monatlich im Rahmen ihres APP (Asset Purchase Programme) Staatsanleihen, Jumbos, Unternehmensanleihen und ABS. Seit der Auflage des Ankaufprogramms mit dem Namen „PEPP“ (Pandemic Emergency Purchasing Programme) wurde jedoch noch weitere hohe zweistellige Milliardenbeträge in Wertpapiere aller Eurozonenteilnehmerstaaten (auch in griechische Wertpapiere) gepumpt. „PEPP“ wurde seit dem März 2020 mehrfach ausgeweitet und hat nun ein Tendervolumen von 1,85 Billionen Euro. Davon wurden mit dem Stand des 16. April 2021 bereits über 976,585 Milliarden Euro investiert (im Übrigen: Im Rahmen der noch laufenden APP-Wertpapierkäufe belaufen sich die von der EZB angekauften Assets mit dem Stand des 16. April 2021 auf ein Volumen von 3,44 Billionen Euro). Demnach steht die Hälfte des PEPP-Volumens noch zur Verfügung. Ein Zurückführen der Wertpapierankäufe steht folglich bei der EZB derzeit noch nicht zur Debatte. Das jüngste geldpolitische Statement der EZB war da auch deutlich. Die Zinsen bleiben unverändert und bis mindestens März 2022 wird man die PEPP-Käufe fortführen. Außerdem wird man die Tilgungsbeiträge der im Rahmen der PEPP-Käufe angekauften Wertpapiere bei Fälligkeit mindestens bis Ende 2023 wieder anlegen. Das Ankaufvolumen und auch der zeitliche Rahmen von „APP“ war der EZB-Leitung offenbar nicht einmal eine Erwähnung im Statement wert. Dies bedeutet, dass diese 20 Milliarden Euro auf absehbare Zeit ebenfalls weiter in den Markt gepumpt werden (immerhin 240 Milliarden Euro pro Jahr).

Ergo: Die Bank of Canada könnte rein von der Theorie eher der Fed als Blaupause dienen, doch die hat mit ihrem bereits von September 2017 bis August 2019 durchgeführten „FOMC Balance Sheet Normalization Program“ ihre eigene taugliche Vorlage.

Quelle: ActivTrader

 

 

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