Experten Analysen

Chinas Börsen straucheln – auch der Hang Seng Index bricht ein

 

Zum Wochenbeginn fielen die wichtigsten Börsenindizes in Shanghai, Shenzhen und auch in Hongkong stark zurück. Politische Unstimmigkeiten zwischen Peking und Washington, aber auch zwischen Peking und London kamen jüngst erschwerend hinzu. Insbesondere aber die Beziehungen zwischen dem Reich der Mitte und den USA gelten als einmal mehr belastet. Von Seiten des chinesischen Außenministeriums hieß es, dass die Gespräche zwischen China und den USA im chinesischen Tianjin festgefahren seien. Zusätzlich wird auch von beiden Parteien auf die künftige Einhaltung des noch von der Trump-Administration ausgehandelten „China-USA-Phase-1-Deals“ gepocht werden. Die zuvor vereinbarten Handelsvolumina werden von beiden Seiten nämlich noch nicht eingehalten. Ein Beispiel: China importierte bis zum Ende Mai 2021 US-Güter im Wert von 56,9 Milliarden US-Dollar, während die USA Güter im Wert von 44,4 Milliarden US-Dollar in China absetzten, jedoch waren chinesische Importe mit einem Volumen von 82 Milliarden US-Dollar vertraglich zugesichert worden und US-Exporte in Höhe von 71,3 Milliarden US-Dollar. Zwischen dem vertraglich Vereinbarten und der Realität klafft somit noch eine recht große Lücke. Chinas Regulierer trugen zudem obendrein zu einer schlechten Marktstimmung vor allem bei chinesischen Technologietiteln bei.

Die Abwärtsbewegung an den chinesischen Aktienmärkten konnte aber schon in den letzten Monaten bereits deutlich beobachtet werden. Neben den führenden Indizes an den Börsen in Shanghai und Shenzhen, fiel auch der an der „Hong Kong Stock Exchange“ (HKSE) gehandelte „Hang Seng Index“ (HSI) stark zurück. Seit dem Hoch vom 18. Februar 2021 von 31.183,36 Punkten fiel der Hang Seng Index auf rund 26.192,32 Punkte (zum Zeitpunkt dieser Analyse vom 26. Juli 2021) doch recht erheblich gen Süden. Allein am Montag rauschten einige chinesische Technologietitel in die Tiefe, wie zum Beispiel die Wertpapiere von „Tencent“, „Alibaba“ oder „Meituan“. Die Aktionen von den zuständigen chinesischen Aufsichtsbehörden trugen zu den jeweiligen Kursstürzen maßgeblich bei. Im Fall von „Tencent“ ordnete die Aufsichtsbehörde an, man solle die exklusiven Musiklizenzrechte aufgeben und belegte den Konzern aufgrund von wettbewerbsfeindlichem Verhalten zudem mit einer Strafe. Am stärksten traf es aber die chinesischen privaten Bildungskonzerne “New Oriental Education & Technology Group“, „Koolearn Technology“ und auch „China Beststudy Education Group“, die zeitweise mehr als 30 Prozent an Wert verloren.

Ein Beispiel eines starken Abverkaufs – NASDAQ Golden Dragon China Index (HXC)

Einer der viel beachteten Indizes ist auch der „NASDAQ Golden Dragon China Index (HXC)“, der ein die Marktkapitalisierung gewichtender Index ist und der sich aus chinesischen Einzeltiteln zusammensetzt, deren Stammaktien an den Wertpapierbörsen in den USA gehandelt werden. Dieser Index soll hier zusätzlich einmal thematisiert werden, denn er bündelt die chinesischen Aktien, die zum Handel an den US-Börsen in Form von ADRs und ADS durch US-Banken zu einem Zertifikatkonstrukt gebündelt und verbrieft wurden. Der von der „Halter Financial Group“ kreierte Index hat eine Basis von 2.500,00 Indexpunkten, die vom 30. September 2003 stammt. Zum Stichtag des 16. Februar 2021 befand sich der Index mit 20.893,02 Punkten auf einem Hoch, seitdem ging es sukzessive abwärts. Allein seit dem Beginn des Monats Juli verlor der Index vom Hoch von 15.028,96 Punkten bis weit unter die Marke von 12.000 Punkten kräftig an Wert. Betrachtet man sich die gesamte Abwärtsstrecke seit dem Hoch, so ist der Index gar auf dem Weg sich bald im Wert zu halbieren. Investoren suchen demnach das Weite und werfen diese chinesischen Titel massiv aus den Portfolios. Zu den hochgewichteten Aktien des Index gehören neben den chinesischen Autowerten „NIO“, „XpPeng“ und „Li Auto“ die Einzeltitel „Alibaba“, „Baidu“, „Bilibili“, „JD.com“, „KE Holdings“, „NetEase“ und „Pinduoduo“. Außer „NIO“, „XPeng“ und „Li Auto“ verloren diese Aktien zum Wochenbeginn erheblich an Wert. Durch neue chinesische regulatorische Bedingungen, die sich hauptsächlich auf die Datenhoheit in Bezug auf internationale Datenströme und deren Sicherheit beziehen, die Peking weiter in seinem Hoheitsgebiet kontrollieren will, könnte der ADR-Markt für chinesische Aktien in den USA vielleicht sogar bald Geschichte sein. In diesem Fall wäre dies immerhin ein beträchtlicher Handelsumsatz, der den drei großen US-Börsen entgehen würde, denn es sind immerhin 248 chinesische Unternehmen in Form von ADRs und ADS in den USA mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von rund 2,1 Billionen US-Dollar gelistet, wie einem Bericht von CNBC zu entnehmen ist.

Exkurs Didi – Regulierungswut Pekings war schon kurz nach dem IPO des chinesischen Uber-Konkurrenten „Didi“ zu registrieren.

Seit dem IPO von „Didi“ an der New Yorker Wertpapierbörse „NYSE“ (New York Stock Exchange) fiel die Aktie von einem Hoch von 18,01 US-Dollar auf bis dato sage und schreibe 7,93 US-Dollar zurück – eine absolute Katastrophe. Die Geschehnisse rund um „Didi“ sind ein Warnschuss für jeden China-Investor, der insbesondere in Technologietiteln engagiert ist, denn die für „Didi“ zuständige chinesische Aufsichtsbehörde hat faktisch das operative Geschäft des Uber-Rivalen plötzlich enorm eingeschränkt. Wenn ein Wertpapier sich innerhalb von nur zwei bis drei Wochen im Wert mehr als halbiert, so darf man wohl von einem absoluten Crash sprechen.
Der Fall „Didi“ brachte in den letzten Wochen vor allem auch in der US-Politik eines wieder auf die Agenda, nämlich das Zulassen solcher Firmen für den US-Handel. Der republikanische US-Senator Marco Rubio sprach beispielsweise von einem „unverantwortlichen Treiben, solche unberechenbaren, offenbar nicht rechtschaffenden Unternehmen überhaupt zum Handel an US-Börsen zuzulassen“. In der Tat lagen die Bewertungen des Unternehmens jenseits jeder Vernunft. Selbst nach dem Crash weist der Konzern aktuell immer noch mit rund 38,6 Milliarden US-Dollar eine mehr als stattliche Marktkapitalisierung auf.

Geht es um eher langfristig und vor allem international bekannte chinesische Aktientitel, so blickt man besser auf den Hang Seng Index. Den Hang Seng Index gibt es schon sehr lange – er wurde bereits 1969 erstmals veröffentlicht. Somit galt der Hang Seng Index schon vor der Übergabe des Territoriums der Briten an China im Jahre 1997 als einer der wichtigsten asiatischen Börsenbarometer. Auf absehbare Zeit könnte dem Hang Seng Index aber auch eine Abwertung bevorstehen, denn seitdem Hongkong zur chinesischen Sonderverwaltungszone wurde, gab es besonders in der jüngeren Zeit immer wieder Zweifel, inwieweit das „Ein Land, zwei System“ aufrechterhalten wird. China aber wird vermutlich alles daransetzen, den Kapitalstandort Hongkong so international wie möglich zu halten, um sich mit ausländischem Kapital besser versorgen zu können.

Der Hang Seng Index im Chartcheck
Die Analyse des Hang Seng Index erfolgt hier im Tageschartbild anhand des CFDs auf den Hang Seng Index (Cash Index). Um die Ziele für die Bullen und Bären näher definieren zu können, wäre auf eine Fibonacci-Analyse abzustellen. Die Ziele zur Ober- und Unterseite könnten mittels des Kursverlaufs vom Zwischentief des 25. März 2021 bei 27.500,56 Punkten bis zum letzten Zwischenhoch des 01. Juni 2021 bei 29.532,78 Punkten abzuleiten sein. Die webbasierte Handelsplattform „ActivTrader“ erzeugt die notwenigen Fibonacci-Retracements und Fibonacci-Projektionen, um die Widerstände und Unterstützungsbereiche ermitteln zu können. Die nächsten Widerstände wären bei den Marken von 26.725 Punkten (138.20%), 27.021 Punkten (123.60%) und 27.501 Punkten (100.00%) auszumachen. Die Unterstützungen kämen bei 25.048 Punkten (176.40%) und 25.468 Punkten (200.00%) in Frage.

 

Quelle: ActivTrader, HKind

 

 

 

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