Experten Analysen

Aussie Dollar – Korrekturbewegung als Einladung verstehen?

Die neue Börsenwoche begann an den Aktienmärkten in der Region Asien-Pazifik bereits mehrheitlich mit Kursabschlägen. Der australische Leitindex „S&P/ASX200“ fiel schon zum Wochenbeginn um 0,85 Prozent auf 7.286,00 Zähler zurück. Eine Korrekturbewegung setzte sich mehrheitlich an den europäischen Aktienmärkten fort. Die US-Futures starteten ebenfalls mit roten Vorzeichen in die neue Woche. An der Wall Street gab man sich noch am Freitag zunächst aufgrund der unerwartet starken Juni-Einzelhandelsumsätze, die mit einem Plus von 0,6 Prozent auf Monatssicht positiv überraschten konstruktiv. Die US-Verbraucherstimmung der Universität Michigan für den Juli enttäuschte hingegen mit einem Wert von 80,8 Punkten. Besorgniserregend waren die Inflationserwartungen der US-Verbraucher, die auf 1-Jahressicht ein Plus von 4,8 Prozent erwarten.  Die Aktienmärkte in den USA legten danach den Rückwärtsgang ein. Was hat das nun aber mit dem australischen Dollar zu tun?

 

Wechsel von Risk-on zu Risk-off schadet dem Aussie

Nun, an den Märkten schaltete man somit von Risikoappetit (Risk-on) auf Risikoaversion (Risk-off) um. Dieser Wechsel begünstigt in der Mehrheit der Fälle eine Flucht in sichere Häfen. Am Devisenmarkt (ForEx/Foreign Exchange) bedeutet dies meist eine Flucht in den US-Dollar (Greenback). Ferner kann der aufmerksame Marktbeobachter dabei oft auch bekannte Korrelationsbewegungen registrieren. Erstarkt beispielweise der US-Dollar, so fallen nur zu oft die Rohstoffpreise, allen voran die wichtigsten Edel- und Industriemetalle und auch die Rohölnotierungen. Im Umkehrschluss deutet dies meist auf einen schwächeren australischen Dollar (Aussie) hin. Der Kurs von AUD/USD sinkt folglich dann. Mehrtägige Korrekturbewegungen des Aussies könnten aber auch eine Chance zur Neupositionierung für Swing- und Positionstrader darstellen.

 

Kurzfristige Belastungen aufgrund neuerlicher lokaler Lockdowns

Noch könnte es aber etwas zu früh für Long-Positionen im Aussie sein. In Sydney mehrten sich bei den Börsianern zumindest im Zusammenhang mit neuerlichen Corona-Beschränkungen aufgrund der vermehrten Ausbreitung der Covid-19-Delta-Variante die Sorgenfalten. In Sydney befindet man sich in einem mehrwöchigen Lockdown und auch der Lockdown in Melbourne drückt auf die Stimmung. Die australische Wirtschaft könnte also einmal mehr eine Belastung erfahren. Die für den Aussie so wichtigen Rohstoffpreise fielen jüngst auch wieder deutlicher zurück. Rohölnotierungen wiesen den höchsten Wochenverlust seit März auf und auch die Goldnotierungen lagen zum Wochenbeginn mehr als 100 US-Dollar je Feinunzen unterhalb des Juni-Hochs. Bei vielen für Australiens Exporte wichtigen Industriemetallen, Erz und Kohle stiegen die Preise in den letzten Monaten enorm und markierten langjährige Höchststände oder gar neue Rekordstände. Der Preis für Eisenerz notiert beispielsweise nahe des Allzeithochs. In der übergeordneten Betrachtung wird man leider auf die Entwicklung in Bezug auf die jüngsten Corona-Ausbrüche abstellen müssen und deren wirtschaftliche Implikationen, die diese für Australiens Wirtschaft mit sich bringen könnten. Das man dies besser mit Ernst zu verfolgen hat, zeigen auch die aktuellen Einschätzungen der australischen Notenbank RBA (Reserve Bank of Australia), die das Risiko von negativen Auswirkungen für Australiens Wirtschaft in ihrem geldpolitischen Statement im Juli hervorhoben. Damit dürfte auch von einem schwächer als erwarteten Q3-BIP auszugehen sein.

 

Australiens Arbeitsmarkt überrascht deutlich positiv

Langfristig könnten die Optimisten jedoch die Oberhand gewinnen. Das käme dann auch dem Außenwert des australischen Dollars zugute. Die australische Notenbank RBA geht jedenfalls davon aus, dass sich die australische Wirtschaft von den zwischenzeitlich erneut lancierten lokalen Corona-Lockdowns recht schnell wieder erholen kann. Überhaupt zeichnete die RBA in ihrem letzten Bericht ein recht konstruktives Bild zur australischen Konjunkturlage. Vor allem der Arbeitsmarkt erwies sich bis dato als äußerst robust. Seit dem Jahresbeginn 2021 konnten den RBA-Angeben zufolge 250.000 neue Stellen geschaffen werden. Damit liegt die Beschäftigtenquote sogar rund einen Prozentpunkt oberhalb des Prä-Corona-Niveaus. Die Arbeitslosenrate fiel zuletzt wieder signifikant zurück und liegt nur knapp oberhalb der 5-Prozent-Marke. Die RBA geht von einer Marke von leicht oberhalb von 4 Prozent aus, wen sie von Vollbeschäftigung spricht.

 

Geldpolitik im Wechsel – zumindest ist mittelfristig eine Trendwende in Sicht

Die RBA-Geldpolitik wird sich zwar vorerst nicht großartig ändern, doch mittelfristig sind zumindest Trendwechsel auszumachen, die auch für eine Stärke des australischen Dollars sprechen könnten. Bis zur November-Mitte will die RBA Anleihekäufe in einem Volumen von 4 Milliarden AUD pro Woche vornehmen – immerhin eine Milliarden AUD weniger pro Woche, doch als „Tapering“ soll man dies der Zentralbank nach noch nicht verstehen. Bis zur November-Mitte errechnete die RBA, dass sie dann insgesamt 237 Milliarden AUD im Rahmen ihrer Anleihekäufe verwendet haben wird und damit dann rund 30 Prozent der ausstehenden australischen Staatsanleihen und 15 Prozent der territorialen Anleihen auf der Zentralbankbilanz aufgeladen hat. Man will an der australischen „Cash-Rate“ auf einem Niveau von 0,10 Prozent festhalten und auch ein Überschießen der Inflation toleriert man damit auf absehbare Zeit ohne jeden Zweifel. Im Vergleich zu Teilen der Eurozone und insbesondere im direkten Vergleich zu den USA erscheint einem die australische Inflationsrate von 1,1 Prozent aber geradezu gering. Die Experten der Investmentbank „Westpac“ gehen beispielsweise im Rahmen ihrer Prognosen davon aus, dass die RBA vorerst an einem Leitzins von 0,10 Prozent festhalten wird und sehen erst im Jahr 2023 erste Zinsschritte mit einer Erhöhung auf 0,50 Prozent und in 2024 auf 0,75 Prozent im Bereich des Möglichen. Wichtig für die weitere Entwicklung des Währungspaares AUD/USD ist obendrein die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen. Deswegen muss der Zinsentwicklung in den USA eine sehr hohe Bedeutung zugemessen werden. Gemäß den Interpretationen, die sich aufgrund der Fed-Zinsprojektionen und aus dem „Dot-Plot-Chart“ ableiten lassen, könnte bis zum Ende des Jahres 2023 eine Fed-Funds-Rate von 0,75 -1,00 Prozent ein Thema sein. Die RBA wird demnach darauf zu achten haben, die Zinsdifferenz beider Währungsräume im Zaum zu halten und die „Zinsschere“ nicht zu sehr auseinanderdriften zu lassen. Mittelfristig könnte zumindest eine Erholung des Aussies dabei herauskommen.

 

AUD/USD – der Blick in den Chart

Das Währungspaar AUD/USD korrigierte in den letzten Wochen recht stark. Die Abwärtsbewegung seit dem Hoch vom 25. Februar 2021 von AUD/USD 0,8007 führte den Aussie mittlerweile unter die Marke von 0,74 zurück. Auf Tagesbasis rückt der Aussie somit einer technisch überverkauften sukzessive Marktverfassung näher. Ausgehend vom letzten übergeordneten Tief des 20. März 2020 von 0,5506 bis zum Zwischenhoch des 25. Februar 2021 bei 0,8007 wäre eine Fibonacci-Analyse anzulegen. Mittel dieser Fibonacci-Analyse könnten die nächsten Ziele der Bullen und Bären näher abgeleitet werden. Die Widerstände fänden sich bei den Marken von 0,7416 (23.60%) und 0,8007 (0.00%). Die Unterstützungen kämen bei 0,7050 (38.20%) und 0,6755 (50.00%) in Frage. Eine Aufwärtsbewegung von AUD/USD wäre zumindest in die Bereiche der 200er-EMA oder gar 100er-EMA denkbar. Dies würde ein Erholungspotenzial von rund 200 Pips oder gar mehr durchaus über mehrere Wochen als realistisch erscheinen lassen. Dabei könnte man zusätzlich noch den Relative-Strength-Index (RSI) mit ins Visier nehmen, der zum Zeitpunkt dieser Analyse kurz davor steht, in den überverkauften Bereich unterhalb der Marke von 30 abzusinken. Dieser Bereich wurde hier im Chartbild mit einem Rechteck (in grüner Farbe unterlegt) visualisiert.

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